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der Ausstellungen

Ilona Kálnoky

Werke
Bio/Austellungen
(* 1968 Steiermark, Österreich)

1987-1991
Ausbildung zum Gesellen der Keramik und Ofenbau
1995-2002
Studium der Bildhauerei an der Kunsthochschule Weissensee, Berlin
2002
Diplom bei Bernd Wilde und Karin Sander
2003
Meisterschüler
2008 Mitbegründerin des Festivals für zeitgenössische Kunst und Musik in der Uckermark
  Ilona Kálnoky lebt in Berlin


Einzelausstellungen:

2009

"leibwerden" Galerie Heike Curtze, Berlin, D

2008
"Geste",  Traklhaus, Salzburg
"UM 08", Uckermarck  (Beteiligung)

2007
"LEIB"   Galerie Heike Curtze Wien
"ONE MINUTE", Berlin (Beteiligung)
2006
Kontemplation,  Galerie Heike Curtze, Berlin, D
2003
Drei Sequenzen, Weimar, D
2002
Versuch am Raum, Torstrasse158, Berlin, D


Gruppenausstellungen:

 

2009

Teilnahme an "Zeigen – eine Audiotour" Temporäre Kunsthalle Berlin
"Crossing Abstraction" Kunstraum Bethanien Berlin
Kunstkammer Poliflur OX/01 Hamburg
"Space Light – Light Space", refugium Berlin

2008
UM08, zeitgenössisches Festival in der Uckermark, D
2007 One Minute, Ackerstrasse 11, Berlin, D
Spannungsfelder, Galerie Heike Curtze in Salzburg, A
KirchenKunstRoute 2007 in der Uckermark, D
Spaceinvasion, Wien, A

2006
Boulevart, Kunstherbst 2006, Berlin, D
Crescendo, Galerie Heike Curtze in Salzburg, A
Arbeiten von Papier auf Papier, Galerie Pankow, Berlin, D




Info

Geste

"Meine Skulpturen und Objekte entstehen durch die Begegnung von Leib und Raum. Sie befassen sich mit deren Beziehung. Ich verwende den Begriff 'Leib', da dieser auch den emotionalen Teil des Betrachters mit einbezieht."
Ilona Kálnoky

Ilona Kálnokys Skulpturen lenken die Wahrnehmung auf eine intime Zwiesprache mit dem Raum. Die Materialien ihre dreidimensionalen Elemente und die Struktur ihrer Gesten vermitteln den Eindruck von lebendigen Raumkörpern im Wechselspiel von Licht und Form. Ihre Plastizität entwickelt sie sowohl vertikal wie horizontal mit Werkstoffen wie Acrylglas, Gips, Modelliermasse, Wachs, Schaumstoff, Schnüren und Papier, mit Edelstahl, Messing oder Aluminium, Spiegel und Holz.

Kálnokys empfindsame Behandlung der Oberflächen erzeugt die physische Anmutung weicher und harter Raumkörper. Plastik und Physis verschmelzen darin zu Assoziationen von Enge und Weite, von Fließen und Starre, von Geborgenheit und Entfremdung.

Die so entstehenden materialen Formen begreift die Künstlerin  als Leib. Die verwandten Materialien gerinnen zu Leibern in Gestalt und Geste: als Wurfrelief, als feuchte Gipsmasse an die Wand geworfen und dort eingetrocknet, bis sich der Wandwurf aus der Vertikale löst. Wie zum Fossil erstarrt, verleiht diese Technik Kálnokys Objekten einen fast vegetativen Charakter. Sie verändert die materielle Oberfläche, wenn sie eine oder mehrere Kugeln wie im Schnürkorsett mithilfe eines straffen Mieders aus gedrehten Kordeln in geometrische Muster bindet und damit deren Plastizität als geschnürte Körper steigert.

Damit gelingt ihr auf feminine Weise, Körperlichkeit als Kraft im Zustand der sprengung, als Schmerz im geballten Aufquellen von Materie zu versinnbildlichen. Wie im Wandel pflanzlicher Mutation erscheint die Plastik gleichsam gebannt.

Ilona Kálnoky spielt gern mit Verformungen und Aufbauten: sie er-zeugt die Transparenz von schwebender Festigkeit mithilfe von Kugeln, die sie als Ballast zwischen Scheiben aus Plexiglas einlegt und diese zu Türmen aufschichtet. Ein anderer Turm aus weichen Kugeln, die durch das Eigengewicht zu platten Fladen werden, wächst wie ein geschichteter Knollenstock empor. Ihre Skulptur entfaltet architektonische Wirkung, wenn sie elastische Holzleisten zu Bögen zwischen Boden und Decke eines Raumes spannt. Die entstandenen Bogenschnitte zerlegen den gebauten im vorhandenen Raum in rhytmische Segmente. Je nach architektonischem Mantel verwandeln sie ihn mit leichter eleganz zum gotischen Bogengang.

Marie-Louise von Plessen
(aus dem Katalog der Galerie im Traklhaus, 2008)

Eine neue Werkreihe von Ilona Kalnoky besteht aus gebogenen und durch Verschnürungen in Spannung gehaltenen Edelstahlplatten. Diese sehr dünnen, hochgradig reflektierenden Platten werden zunächst an den Rändern in gleichbleibendem Rhythmus eingekerbt oder gelocht und dann zu bogen- oder S-förmigen Figuren gekrümmt. Die hohe Elastizität der Platten würde sie sofort wieder zur Fläche zurückschnellen lassen, würden sie nicht gehalten und in der gewünschten Form verschnürt. Die Verschnürung erfolgt nicht nach einem vorkalkulierten System, sondern ist Ergebnis eines erprobenden Prozesses, dessen Endform nicht von vornherein feststeht. So ergeben sich unregelmäßige Überschneidungen der Schnüre, räumliche Verdrehungen, mehr oder wenigen dichte Gitterstrukturen, gerade gespannte oder geschwungene Schnurverläufe, glattes Aufliegen auf dem Stahl oder freier Verlauf im Raum, Gitterverdichtungen und freigelassene Stahlflächen, also eine Vielfalt an formalen Möglichkeiten der Interaktion von Stahlplatte und Schnur. Da die Eigenspannung der dünnen Platten nur gering ist, bleibt die Verspannung relativ locker, nicht stramm unter großer Spannung, eher labil, wie jederzeit veränderbar. Dennoch ist sie absolut notwendig und der eigentliche Formfaktor, ohne den die räumlich geformte Platte stets zur Fläche zurückkehren müßte.

Nun erst, in räumlicher Form, entfaltet die Platte eine Vielzahl an visuellen Effekten, die sie, auf die Zweidimensionalität reduziert, nicht zeigen könnte. Es entstehen konvexe und konkave Spiegelungen und Widerspiegelungen der Umgebung einschließlich des Betrachters selbst, mit oder ohne aufliegender Netzstruktur, sowie zusätzliche Spiegelungen des vor einer konkaven Biegung verlaufenden Netzes, die zudem noch durch dieses hindurch gesehen werden und sich dadurch vervielfachen. Allein schon deshalb geht die Erscheinung weit über bloße Zerrspiegeleffekte aus dem Panoptikum hinaus. Hinzu kommt, daß in der Bewegung um das Objekt herum alles in ständiger Veränderung erscheint, wobei noch das Aufstellen oder Legen des Objekts den Blickwinkel beeinflußt. Die meist sehr einfachen und auch kaum in komplexer Weise realisierbaren räumlichen Gebilde entfalten somit höchst komplexe und kaum noch differenzierbare visuelle Erscheinungen, die überhaupt erst durch die unter Spannung gehaltene Räumlichkeit möglich werden.

Prof. Dr. Matthias Bleyl (Kunsthistoriker)

Ausgehend von der Frage, wo ein Gegenstand anfängt Skulptur zu sein, arbeitet Ilona Kálnoky mit dem Beziehungsdreieck von Skulptur, Raum und Betrachter.

Eine Skulptur braucht einen Raum.
Eine Skulptur braucht den Betrachter.

„Meine Skulpturen und Objekte entstehen durch die Begegnung von Leib und Raum. Sie befassen sich mit deren Beziehung. Ich verwende den Begriff ‚Leib’, da dieser auch den emotionalen Teil des Betrachters mit einbezieht.“ (Ilona Kálnoky)

Mit dem Umrunden, Wahrnehmen, Erkennen, Entdecken, Forschen und Fühlen nimmt der Betrachter Einfluss auf die Skulptur. Der Betrachter erlebt den Raum. Er erlebt die Skulptur im Raum und sich selbst im Bezug auf die Skulptur im Raum.

Für die Entwicklung ihrer Plastiken geht Ilona Kálnoky aus von einem Experiment mit Werkstoffe wie zum Beispiel Acrylglas, Gips, Modelliermasse, Schaumstoffe, Schnüre und Papier, mit Material aus der Architektur wie Edelstahl, Messing, Spiegel und Holz. Darüber hinaus integriert sie auch die Medien Licht und Zeit.

„Mich interessiert die Dimension der Zeit in den Skulpturen, die durch die Veränderung der Farbe von z.B. Schaumstoff passiert. Oder dem veränderten Lichteinfall des Tages, sowie der gezielte Einfluss von elektrischem Licht.“ (Ilona Kálnoky)

Ihre Objekte verändern sich beständig, minütlich, stündlich, jährlich. Jeder Blick auf ihre Objekte ist ein neuer Blick. Zum Beispiel ihre Arbeit „Bogen“ (2005), die für den Betrachter ein Spiel mit Durch-, Ein- und Ausblicken und zweierlei Reflexionen ist. Zum einen die Widerspiegelung der Schnüre und des Umraums auf der Oberfläche der Stahlplatte und zum anderen die Spannung zwischen Schnur und der gebogenen Platte. Oder ihre Arbeit „Leisten“ (2006) spannt zwei Holzleisten in großen Bögen zwischen Boden und Decke eines Raumes und definiert damit einen eigenen gebauten Raum.

http://www.ilonakalnoky.de/