Dimitrijevic: "Unwanted (Kafka)", 2007, 71x61 cm
BRACO DIMITRIJEVIC
Ways to Post History - New Installations

Eröffnung: Mittwoch, 07. Mai 2008, 19.00-21.00 Uhr
Dauer: 08. Mai - 04. Juni 2008

Der Künstler ist anwesend.
Zur Eröffnung spricht Dr. Christa Steinle (Neue Galerie Graz).

Braco Dimitrijevic hat sich in den 70er Jahren einen internationalen Ruf erworben mit seiner Serie von Casual Passer-by-Arbeiten, für die er übergroße Fotoporträts von Unbekannten auf prominenten Fassaden und Reklamewänden in europäischen und amerikanischen Städten ausstellte. Arbeiten aus demselben Zyklus waren auf der Documenta 5 (1972) und der Biennale Venedig (1976) zu sehen sowie in zahlreichen weiteren Einzel- und Gruppenausstellungen.

Ab Mitte der 70er Jahre leistete Dimitrijevic mit seinen Triptychos Post Historicus-Serien Pionierarbeit auf dem Gebiet der heutigen künstlerischen Praxis des “Eingreifens” in Museumssammlungen. Er schuf seine frühesten Triptychos Post Historicus–Installationen, die aus einem originalen Meisterwerk, einem Alltagsobjekt und einem Element aus der Natur, Früchten oder Gemüse, bestehen. 1976 praktizierte er dies in der Nationalgalerie Berlin mit Gemälden von Kandinsky, Picasso, Manet and Mondrian. Später wurden diese Werke ausgestellt in der Tate Gallery London, im Musee National d’Art Moderne, im Centre Georges Pompidou, im Museum Ludwig Köln, im Museum Moderner Kunst Wien, im Van Abbemuseum Eindhoven, u. v. m.

Anfang der 90er Jahre begann Dimitrijevic einen neuen Werkzyklus, der seiner Überzeugung Ausdruck verleiht: “Es gibt keine Fehler in der Geschichte. Die ganze Geschichte ist ein Fehler.” Ein Porträt von einem bekannten Schriftsteller, Maler, Musiker oder Wissenschaftler, wird Teil einer Installation zusammen mit alltäglichen Objekten und Früchten. Wie in Dimitrijevics weiterem Werk gibt es hier eine paradoxe Wendung: Von der Tatsache ausgehend, dass die Gesichter der Berühmtheiten vergangener Zeiten viel weniger bekannt sind als ihre Errungenschaften, bleiben deren Porträts beinahe so anonym wie jene der Passers-by.

Einige der in der Galerie Heike Curtze ausgestellten Werke bestehen aus Fotoporträts Künstler der russischen Avantgarde– Goncharova, Majakovski etc. –, sind überdeckt von einer zerbrochenen Glasscheibe, die auf Gewalt hindeutet, auf Aufbruch, auf Abwesenheit. Die Arbeiten sind eine Reflektion auf das Verhältnis von politischen und künstlerischen Avantgarden zur Zeit der Oktoberrevolution: deren leidenschaftliche Wiedervereinigung zu Beginn und ihr dramatischer Bruch am Ende, welche in den “Säuberungsaktionen des Bewusstseins” zur persönlichen Katastrophe der Künstler führten.

Wie in den Triptychos Post Historicus entwickelt der Künstler auch in diesen neuen Installationen eine Strategie, sich noch einmal den zentralen Belangen seiner Arbeit zuzuwenden. Er rekonstruiert das symbolische Verhältnis zwischen den drei Objektfamilien: Geschichte und Kunstgeschichte treffen auf moralische Fragen in Verbindung mit Verformungen des Mythos der Kunst und das Thema der Ablehnung gegenüber neuen Ideen zum Zeitpunkt ihres Auftauchens und die Auswahlmethoden von Werten für die Nachwelt.

Weitere Informationen zum Künstler erhalten Sie auf unserer Webseite unter KÜNSTLER > DIMITRIJEVIC

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